Chronik der Jahre 1950-1959

1950

Der STC wird als erster deutscher Tauchclub am 01.10.1950 durch Dr. Albrecht Beckh aus naturkundlichem Interesse gegründet.

Dr. Albrecht Beckh war Biologe und hat Hans Hass bei seiner Expedition im Sommer 1942 in der Ägäis begleitet. Er hat dort Untersuchungen zu Planktonvorkommen im Auftrag des Reichsnährstandes durchgeführt. Hauptziel der Expedition war die Produktion des UFA-Filmes „Menschen unter Haien“, der dann nach dem Krieg 1947 veröffentlicht wurde.

Beckh war auch der Herausgeber der Tauchzeitschrift „Der Tauchsport“, einem Mitteilungsblatt des Vereins, aus dem im Jahr 1953 die Zeitschrift „Delphin“ hervorging und dann später die Zeitschrift „Tauchen“. Weiterhin ist Albrecht Beckh der Autor des Buches „Die Tauchkunst – Der moderne Sport“, erschienen 1952.

1950 gründete Beckh ebenfalls in München das „Meerwirtschaftliche Forschungsinstitut“. Er unterhielt zahlreiche internationale Kontakte, u.a. zum Mailänder Goggler Club mit dem ersten Weltmeister im Freitauchen Raymondo Bucher, dem Tauchpionier Auguste Piccard (Tauchgerät Trieste), dem club alpin sous marin Cannes mit dem bekannten Unterwasserfilmer Dimitri Rebikoff, dem Tauchpionier Jacques-Yves Cousteau, den er zu Filmvorführungen nach München einlud. Der zweite Vorsitzende, Christoph Haag war aufgrund der Kenntnisse über Dräger Tauchgeräte Berater für die Nanga-Parbat Expedition 1953, auf der diese Geräte zum Einsatz kamen und hatte hervorragende Kontakte zum deutsch-österreichischen Alpenverein und dem Leiter der Expedition Dr. Herrligkofer.

In der Anfangszeit gab es viele Aktivitäten, wie z.B. aufgrund der internationalen Kontakte Filmvorführungen und Vorträge, aber auch Vereinsfahrten nach Elba und Comer- und Gardasee und einem Winterprogramm mit Bastelgruppe (Selbstbau von Tauchgeräten), Plan- und Nautikgruppe, biologische Arbeitsgruppe (Mikroskopie) und eine Unterwasser-Foto-Gruppe.

Das wöchentliche Hallenbadtraining im Müller’schen Volksbad jeden Dienstag von 20:00 – 21:30 Uhr war gut besucht.

Clublokal war die Neue Börse am Maximiliansplatz in München.

Vereinsbeitrag war 1 DM monatlich bei einer Aufnahmegebühr von 3 DM. Für Neumitglieder gilt eine 3-monatige Probezeit.

1951

Im Februar 1951 werden „praktische Erhebungen“ mit einem Scaphander am Hochablass des Lechs bei Augsburg durchgeführt. Es entsteht ein (leider verschollener) Film mit Arbeiten mit dem Scaphander und Selbstbau von Tauchgeräten.

Bei einem Vortrag im Februar über die „Wunderwelt der Adria“ (leider verschollen) wird die Benutzung von Tauchgeräten bei der Wasserwacht vorgeführt.

Im März werden im Lenbach-Theater bei einer Filmmatinee Unterwasserfilme (leider verschollen) gezeigt.

Im Dezember gibt es eine Filmvorführung „Welt im Weltmeer“ (leider verschollen) mit Ausstellung von modernen Tauchgeräten im Clublokal Neue Börse.

Es werden 2 Pressluftaggregate zur Luft- und Stromversorgung, Tauchanzüge und Kameragehäuse gebaut (Druckgehäuse gibt es zu kaufen, muss aber selbst bearbeitet werden).

Das Training findet dienstags 20:00-21:30 Uhr im Müller’schen Volksbad statt, zunächst wird das Schwimmbad mit normalen Gästen geteilt.

1952

Ab Oktober erscheint das monatliche Mitteilungsblatt „Der Tauchsport“, die später von den „Mitteilungsblättern“ abgelöst werden. Diese gelten als Vorläufer des Tauchsportmagazins „Delphin“, später „Taucher“.

Im Sommer geht eine Tauchreise („marinebiologische Arbeiten“) an die Westküste Elbas. Eine weitere Reise geht ebenfalls nach Elba mit Tauchgängen auch im Comer- und Gardasee. In einheimischen Gewässern wird ebenfalls getaucht.

Es gibt mehrere Filmvorführungen mit Unterwasserfilmen (u.a. Dimitri Rebikoff und Prof. Williamson) (leider verschollen).

Mit der Wasserwacht werden im Rahmen einer Werbewoche Tauchgänge unternommen (Thalkirchener Isar-Kanal, Nymphenburger Kanal, Autobahnsee)

Der damalige Schwimm-Weltmeister Herbert Klein und der Freitauch-Weltmeister Raimund Buchner (am 2.11.1952 erreichte er 39 Meter) werden Ehrenmitglieder des STC.

In Hunderdorf beschäftige sich Beckh zusammen mit dem Forscher Schulmrich mit Forschung an Muscheln im Perlbach (Zeitungsbericht).

Schulmrich und Beckh 07.1952, Quelle Straubinger Tagblatt

Zu der bereits sehr aktiven Tauchgruppe um Klaus Wissel kam eine zweite Tauchgruppe mit den Neumitgliedern Schwarz, Darré und Dr. Wellenstein dazu.

Aktiv in dieser Zeit sind die Mitglieder Schwarz, Wissel und Dr. Wellenstein (die Vorstände Dr. Beckh und Haag waren wegen Tauchexpeditionen in Italien längere Zeit abwesend). Sie tragen den STC als e. V. ins Ver­einsregister ein, was eine Voraussetzung der Bäderverwaltung für die Zuteilung eines Schwimmbads ist. Der STC tritt außerdem dem Bayrischen Landessportverband BLSV bei.

1953

Dr. Beckh scheidet aus dem Vorstand des STC aus. Rainer Schwarz und Dr. Robert Wellenstein werden zu neuen Vor­ständen gewählt.

Die Vorstände Albrecht Beckh und Christopher Haag waren wegen 2 Studien-/Tauchreisen nach Italien abwesend und neue Mitglieder drängten in den Tauchclub, es kommt zu einem Generationenwechsel. Beckh sah den Verein als Unterstützung für (seine) vielfältigen Forschungen und Tauchexpeditionen und sammelte entsprechende Gönner im Verein, während Rainer Schwarz, Dr. Wellenstein und Klaus Wissel den Sport in die Allgemeinheit bringen wollten. Weiterhin gab es damals eine Konkurrenz zwischen Hans Hass und Jacques-Yves Cousteau und diese spiegelte sich auch im Verein wieder. Während Beckh ein internationales Netzwerk knüpfen wollte und gute Beziehungen auch zu Cousteau hatte, ihn beispielsweise bei einer Filmvorführung in München ehrte, sahen Andere das skeptisch. Klaus Wissel beispielsweise bezeichnete sich selbst als Jünger von Hans Hass.

Albrecht Beckh gründet in München Ende 1953 den Deutschen Tauchclub München. Es kommt zum Bruch. Kurz zuvor war Beckh noch einstimmig wegen Verdienste um den Tauchsport zum Ehrenmitglied gewählt worden.

Rainer Schwarz, Klaus Wissel und Dr. Wellenstein gebührt der Verdienst, dass der STC für die Allgemeinheit geöffnet wird und sind fortan den Aufgaben „Erforschung des Wasserraums“ und „Vermittlung der Kenntnisse des Flossenschwimmens und des Tauchens mit und ohne Tauchgerät“ widmet.

Es wird Antrag auf Beitritt zum Landesfischereiverband gestellt, da man mit den Fischern gut auskommen wollte.

In der Zeitschrift „Hobby“ erscheint ein Artikel von Dr. Beckh mit einem Titelbild des sehr aktiven Mitglieds Zischka, in der Zeitschrift „Rollerrevue“ ein Artikel mit schönen Bildern von Klaus Wissel, in der Zeitschrift „lies mit“ ein Artikel von Dr. Beckh.

Weihnachtsfeier ist am 18.12. im mit 40 Teilnehmern fast überfülltem Clublokal Neue Börse.

Der STC hat ca. 30 Mitglieder.

Die erste Ausgabe der „Mitteilungsblätter“ mit einem Kennziffernsystem für Ausrüstung, Tauchpraxis, Tauch­fahrten usw. wird am 4.12. herausgegeben und an die Mitglieder aller bestehenden Tauchclubs verschickt (leider teilweise verschollen).

Damit  werden die „Mitteilungsblätter“ zum Vorläufer der Zeitschrift „Delphin“ (heute: „Tauchen“), die erstmals 1954 erscheint. Es erscheinen auch Beiträge anderer Vereine.

Rainer Schwarz schlägt verschiedene Tauchspiele zur Erprobung vor, darunter ein UW-Ball-Spiel, ähnlich dem heutigen UW-Rugby.

1954

Der Club versucht, über „Beobachtungsmitteilungen“ für die betauchten Gewässer einen Tauchatlas für die Mitglieder zu erstellen. Das Prospekt „Sporttauchen im Bayrischen Oberland“ (leider verschollen) kann für 60 Pfennige erworben werden.

Der erste Vortrag über Gewässerschutz wird gehalten.

Dr. Wellenstein reicht ein Patent über eine knickbare Schwimmflosse ein.

Die Mitgliederversammlung beschließt, den STC als e. V. ins Vereinsregister eintragen zu lassen und dem „Bund Naturschutz in Bayern“ beizutreten. Die Satzung wird überarbeitet.

Der Clubschlachtruf lautet „Gluck! Gluck! Gluck!

Der Mitgliedsbeitrag beträgt für Erwachsene DM 2,00, für Jugendliche DM 1,00 pro Monat, die Aufnahmegebühr be­trägt DM 2,00.

Regelmäßiges Training ist in der Frauenschwimmhalle des Müller’schen Volksbades jeden Donnerstag 20:30 Uhr. Ab dem 11.02. hat der STC das Bad zur alleinigen Verfügung, ein langgehegter Wunsch des Vereins. Erstmals wird in den „Mitteilungen“ ein Trainingsplan und eine Liste der Ausbilder für Bad und Freiwasser ver­öffentlicht.

Clubabende mit Vorträgen werden 2 x monatlich (jeden 2. und 4. Dienstag) in einem Nebenzimmer der Gaststätte „Neue Börse“ abgehalten. Ab September ist das neue Clublokal der „Blaue Bock“ in der Blumenstraße.

Als erstes Lehrbuch für das Schnorcheltauchen erscheint das Büchlein „Macht mit, wir tauchen“ von Rainer Schwarz. Der Club schafft als Tauchlehrbuch das Standardwerk für Berufstaucher „Tauchertechnik“ von Hermann Stelzner an (Erscheinungsjahr 1943!) und verleiht es an interessierte Mitglieder.

Der STC führt in der „Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Fischerei“ in Starnberg eine Werbeveranstaltung für den Tauchsport durch. Thema bereits damals waren die Reibungspunkte zwischen Fischerei und Tauchern (damals wurde von den Tauchern im Gegensatz zu heute auch noch viel gejagt).

In der „stillen Bucht“ gegenüber der Roseninsel wird eine Werbeveranstaltung mit Schnuppertauchen (bis zu 80 Teilnehmer) durch den STC durchgeführt, in den Stuttgarter Nachrichten erscheint ein ausführlicher Bericht.

Über Arne aus der Jugendabteilung erscheint im Münchner Merkur ein Bericht, die Clubmitglieder sind offensichtlich nicht zimperlich bei niedrigen Temperaturen.

Am 16.12.1954 finden die ersten Clubmeisterschaften im Unterwasserslalom statt. Gewertet wurde die Geschicklichkeit beim Durchtauchen von 8 Toren.
Es platzierten sich:

  • Jugend 0 Strafpunkte: K.A. Wellenstein, Senftinger; 3 Strafpunkte: Bernreuther, Sommer, Sellien
  • Damen 6 Strafpunkte: Kormann; 9 Strafpunkte: Hofmann
  • Herren 2 Strafpunkte: Bindl, Biller, Sacher und Schittler

Da es noch keine Bundesvereinigung aller Taucher gibt, organisiert die Zeitschrift Delphin, die ab April 1954 monatlich erscheint die erste Bundestagung der deutschen Tauchsportvereine auf der Internationalen Jagd- und Fischereiausstellung am 17.10.1954 in Düsseldorf. Der STC ist Gründungsmitglied des neuen Dachverbandes „VDST“. Der 1. Vorsitzende des STC, Rainer Schwarz, ist Vorstandsmitglied des VDST, Hauptaugenmerk zu Beginn ist die Erarbeitung und Verabschiedung der Satzung, eines gemeinsamen Regelwerks (z.B. „Tauche nie allein“) und eines gemeinsamen Sporttauchscheins. Klaus Wissel leistet wichtige Beiträge zum Thema Sporttauchscheine.

Der ehemalige 2. Vorstand Christoph Haag stirbt bei einem Verkehrsunfall (beim Aufziehen der Schneeketten).

Von 1954 existiert in den Nürnberger Stadtarchiven noch ein Trainingsplan von Klaus Wissel:

In der Zeitschrift Hobby erscheint ein Artikel über einen Tauchversuch von Auguste Piccard mit seiner Trieste von Dr. Albrecht Beckh.

1955

In der Süddeutschen Zeitung erscheint ein Bericht über den Faschingsball des STC.

Der STC hat 100 Mitglieder. Es wird eine Clubabteilung „Neckar“ unter der Leitung von Walter Heinrich (Heilbronn) gegründet, da dort Clubkameraden wohnhaft sind (Esslingen, Marbach, Stuttgart, Heilbronn).

Am 2.10.1955 findet die Saisonschlusstauchfahrt zum Badersee statt.

Paul Weltmeier und Manfred Biller vom STC halten einen Vortrag im Deutschen Museum über ihre Tauchreisen an die griechische Küste und nach Ischa und Capri. Der Delphin berichtet. Mit dabei auf der 3-monatigen Expedition waren auch Hofmann und Zischka.

Der Leiter der Wasserwacht im Roten Kreuz München, Anton Vikari, wurde zum Ehrenmitglied ernannt. Er ermöglichte die Mitbenutzung des Hallenbads als der Club noch keinen Übungsabend hatte.

Auf der 2. Bundestagung des VDST am 21./22.05.1955 wird Rainer Schwarz zum Geschäftsführer und Klaus Wissel zum Referenten für Tauchpraxis und Unterwasserfotographie in den Vorstand gewählt. Rainer Schwarz tritt Ende 1955 als Geschäftsführer des VDST zurück, die Aufgaben übernimmt der Präsident Prof. Dr. Hans Reinerth.

Klaus Wissel dreht die ersten UW-Filme mit einer 16-mm­ Bolexkamera in einem von ihm konstruierten UW-Gehäuse. Diese werden auch an das Fernsehen verkauft (leider verschollen).

Ebenfalls mit Ortwin Sacher-Woenckhaus und Gert Döring sucht Wissel systematisch nach „Altwasser“ im Münchner Umland, meist kleinere Gewässer der Isar z.B. bei Schäftlarn mit wenig Tiefe aber einer extrem guten Sicht und guten Möglichkeiten zum Fotografieren. Eine zweite Gruppe um Dr. Wellenstein erforscht Altwasser der Amper und der Paar. Nur die erfahreren Taucher im STC wussten, wo diese Altwässer sind. Die Liste ist leider verschollen.

Klaus Wissel veröffentlicht einen Artikel im Delphin zur Unterwasserfotographie und zum Selbstbau von Kameragehäusen, sowie einen Bericht zum Tauchen im Badersee und einem Nebensee zum Eibsee (Forstamtsee – Wissel nennt ihn „Trollsee“). Weiterhin veröffentlicht er umfangreiche zoologische Artikel zur heimischen Fischfauna im Delphin.

Dr. Wellenstein und Christian Rackerseder reichen ein Patent zum Tauchen mit Atemgerät ein.

Insgesamt wird mangels Verfügbarkeit viel selbst gebaut:

  • Es gibt ein passendes Druckgehäuse für Kameras zu kaufen, dieses muss aber für den Einbau bearbeitet werden. Es werden Konstruktionspläne angefertigt.
  • Der von Jacques-Yves Cousteau benutzte Atemregler Mistral-VE wird analysiert und Konstruktionspläne werden erstellt. Dass der Atemregler tatsächlich nachgebaut wird, kann wegen Erinnerungslücken und aus rechtlichen Gründen nicht bestätigt werden. Sollte es aber dazu gekommen sein, war der Nachbau bestimmt so gut, dass niemand den Unterschied bemerkt und die Atemregler auch bei Revisionen nicht vom Original zu unterscheiden sind :-).

Rainer Schwarz schreibt im Delphin einen wegweisenden Beitrag „Ich gebe zu Bedenken“ zur finalen Gestaltung eines Sporttauchscheines in Deutschland.

Ebenfalls im Delphin erscheint ein Artikel zu der neuen Disziplin Unterwasserslalom des STC

1956

Klaus Wissel veröffentlicht wieder einen zoologischen Artikel sowie einen Reisebericht über seine Tauchsafari mit Ortwin Sacher-Woenckhaus und Gert Döring nach Italien im Delphin.

Ortwin Sacher-Woenckhaus stellt am 14.8.1956 bei Ca­pri mit 36 seinen Tieftauchrekord im Freitauchen auf. Der Weltrekord steht zu dieser Zeit auf 39 m (Raimund Buchner, ein Ehrenmitglied des STC).

Klaus Wissel veröffentlicht sein Tauchbuch „Die schwarzen Delphine“ unter dem Pseudonym Serge Alberin.

Herbert Zischka zeigt auf Clubabenden Tauchfilme (leider verschollen) und macht Diavorträge im Clublokal Bayerischer Herold in der Lindwurmstraße und im Straubinger Hof den Film „In Poseidons Reich“, Klaus Wissel zeigt einen Film über das Tauchen im Badersee (leider verschollen). Die Clubkameraden Baur und Paintner von der Amazonas-Tauchgruppe berichten auf einer Clubsitzung von Ihrer Tauchsafari nach Korsika. Seit 1951 gibt es eine „Amazonas“-Vereinigung der Terrarienfreunde, mit denen viele Jahre intensive Kontakte sind.

Am 22.4. findet das offizielle Antauchen im Badersee statt. In der Abendschau vom 2.5.1956 wird darüber mit einem Filmbeitrag berichtet (leider verschollen). Es gibt mehrere Tauchausflüge, u.a. zu den Langbürgner Seen, Echinger Weiher.

Mit der Aquarianer-Interessengemeinschaft „Amazonas“ beginnt eine langdauernde fruchtbare Arbeitsgemein­schaft.

Die Mitgliederversammlung beschließt den Ausbau eines Clubheimes im Keller einer Tankstelle an der Arnulfstraße, da die Preise in den bisherigen Lokalen vor allem für die immer zahlreicher werdenden Jugendlichen zu hoch wer­den.

Die Miete des Clubheimes wird durch freiwillige Patenschaftsbeiträge zwischen DM 1,00 und DM 20,00 im Monat aufgebracht!

Viele Clubmitglieder schlagen sich die Nächte um die Oh­ren, damit das Heim zur Weihnachtsfeier bezugsfertig ist. Die Stirnseite des großen Raumes wird von Hermann Baur mit einer UW-Landschaft bemalt. Für unsere Fotografen gibt es eine Dunkelkammer.

Rainer Schwarz führt den ersten Theoriekurs für unsere Gerätetaucher durch. Das Clubheim wird mit der Weih­nachtsfeier und der Siegerehrung der ersten Clubmeisterschaften im Slalom eröffnet.

Der STC erwirbt das erste amerikanische Sporttaucherlehrbuch „Dive“ von Rick and Barbara Carrier. Rainer Schwarz und Martin Waldhauser übersetzen die wichtigsten Abschnitte und rechnen die amerikanischen Maßeinheiten psi usw. in die bei uns gebräuchlichen um, damit die Clubmitglieder mit dem Buch etwas anfangen können.

Der STC entwickelt den Tauchslalom in der heute noch gül­tigen Form. Unser Slalom wird vom VDST übernommen und ist viele Jahre lang Disziplin der Deutschen Meisterschaften. Selbst Ostblockländer wie Bulgarien übernehmen unseren Sla­lom. Es werden Vereinsmeisterschaften durchgeführt, bei denen das Slalomtauchen ein Bestandteil ist.

1957

Erstmals findet ein offizielles „Antauchen“ am Badersee statt, die Zeitschrift Delphin berichtet.  Teilnehmer sind13 Mitglieder des STC sowie Charles Knigge mit Frau aus Zürich. Es entsteht ein schöner Bildbericht von Rainer Schwarz.

Kameramann Helmut filmt das Ereignis für das Fernsehen (leider verschollen).

Im Delphin erscheint ein Bericht zu dem Ereignis (1957 Delphin 06 Badersee).

Erste Abnahme des neuen Clubleistungsabzeichens.

Der VDST beschließt, auf Einladung des CMAS eine deutsche Mannschaft zu den UW-Jagdweltmeisterschaften zu entsenden (ohne finanzielle Unterstützung durch den Verband). Als Wettkämpfer werden die STC-Mitglieder Manfred Biller, Heinz Olschar, Alois Starflinger und Paul Weltmeier benannt. Nach dem Tod (Sauerstoffvergiftung) von Alfred Diener, dem Leiter der Abteilung Tauchpraxis des VDST wird Christian Rackerseder vom STC in diese Position gewählt.

Erstmals wird ein Kurs in UW-Fotografie durchgeführt.

Tauchfahrten der Clubmitglieder führen nicht nur an eine Vielzahl von heimischen Gewässern, sondern auch nach Alassio, Portofino, Giglio, Elba (Bericht 1, Bericht 2), Sardinien, Südfrankreich Jugoslawien, Griechenland und Spanien.

Jahreshauptversammlung: Eine Gruppe von Clubmitgliedern, die mit der straffen, sportlich ausgerichteten Füh­rung des Clubs unzufrieden ist, stellt sich zur Wahl. Ihr Wahlprogramm enthält u.a. die Punkte:

  • Respektierung der persönlichen Freiheit der Clubmitglieder,
  • Kauf clubeigener Tauchgeräte und eines Kompressors
  • Aufgabe des Clubheimes.

Aus der Wahl gehen als neue Vorstände hervor: Leo Gradel und Hermann Baur. Die Clubleitung erhält eine Geschäftsordnung.

Der STC hat 125 Mitglieder, davon 25 Jugendliche. Erstmals wird ein Jahresbericht schriftlich herausgegeben.

Nach nur einem Jahr wird das Clubheim an der Arnulfstraße wieder aufgegeben. Schuld daran sind einige Club-„kameraden“, die zwar regelmäßig das Heim benutzen, aber jedes Mal unaufgeräumt und voller Dreck zurücklassen. Da die übrigen Mitglieder nicht bereit sind, wegen einer rücksichtslosen Minderheit eine Beitragserhöhung für eine Putzfrau hinzunehmen, oder selbst auf Dauer den Dreck der anderen wegzuräumen, wird das Heim geschlossen.
Die Abendzeitung berichtet über den Katzenhai der im Aquarium in der Gaststube des „Tintenfisch“ unseres Club­kameraden Christian Rackerseder aus dem Ei geschlüpft ist.

In der Zeitschrift „Delphin“ erscheinen 24 Beiträge von STC-Mitgliedern, u.a. eine neue Rubrik „das heiße Eisen“ von Klaus Wissel, in der kontroverse Themen besprochen werden. Wissel tauchte z.B. oft mit reinem Sauerstoff in einem Kreislaufgerät und unterschritt die damalige Tiefenbegrenzung von 13 Metern deutlich (bis zu 40 Meter). Das Fernsehen zeigt zwei Filme von Klaus Wissel, davon einen über das Antauchen im Badersee. Der andere „Film, Fische und wir“ wird ebenfalls auf der Jahreshauptversammlung des VDST in Hamburg gezeigt (leider verschollen). Zusätzlich wird im Jahresbericht noch ein Ohnmachtsanfall beim Schwimmbadtraining mit anschließender Wiederbelebung aufgeführt.

Zur Faschingszeit am 01.03. wird ein Maskenball im Clubheim in der Arnulfstraße veranstaltet, es erscheint eine Spezial-Delphin-Ausgabe.

Am 20.12. wird die jährliche Abschlussfeier veranstaltet, 2 neue Tauchgeräte konnten angeschafft und unter den Weihnachtsbaum gelegt werden.

Die Xarifa Expedition von Hans Hass startet mit Beteiligung von Klaus Wissel am 15.10.1957.

Viele Zeitungen (Bericht), darunter die Abendzeitung am 11. Dezember 1957 berichten  vom tragischen Tod (+7.11.1957) unseres Clubkameraden Klaus Wissel:

Münchner Taucher im Roten Meer ertrunken

Der 31-jährige Münchner Zoologe Klaus Wissel ist – wie jetzt erst bekannt wird – vor mehreren Tagen auf einer Expedition des Unterwasserforschers Doktor Hans Hass im Roten Meer tödlich verunglückt. Er soll während Filmaufnahmen im Meer einem Herzschlag erlegen sein.
Wissel war ein bekannt er Sporttaucher und galt auf diesem Gebiet als einer der erfahrensten Fachleute. Erst kürzlich hatte er mit Dr. Hans Hass als dessen 1. Assistent einen Dreijahres-Vertrag abgeschlossen. Er gehörte als 1. Taucher und 2. Kameramann der Mannschaft auf dem Expeditionsschiff „Xarifa“ an. Er hat zahlreiche Unterwasserfilme gedreht, von denen einige im Fernsehen gezeigt wurden.
Klaus Wissel war im Herbst dieses Jahres zu einem Ur­laub nach München zu seiner Frau zurückgekehrt. Mitte Oktober fuhr er nach Cannes, von wo die „Xarifa“ wieder in See stach. Die Nachricht von seinem Tod wurde erst durch einen Brief von Dr. Hans Hass an den Rechtsanwalt des Verunglückt en bekannt, die Ehefrau des Zoologen ist in diesen Tagen Mutter geworden.

Nachdem bereits 1956 ein Taucher von Hans Hass ertrunken war, hatte dieser und gerne auch die Versicherung den Tod dem Herzleiden von Klaus Wissel zugeordnet. Sein Freund Ortwin Sacher-Woenckhaus, tief betroffen, hat Zweifel und stellt den Unfall mit dem selben Tauchgerät im Olympiabad nach, Rainer Schwarz versucht über den rechtlichen Weg und mit weiteren Gutachten von der Versicherung noch etwas zu bekommen – leider erfolglos. Für die durch seinen plötzlichen Tod in Not geratene Fa­milie führt der STC eine große Spendenaktion durch.

Im Delphin erscheint zufällig kurz vor dem Tod ein Lebenslauf. Nach dem Tod wird ein Nachruf abgedruckt.

1958

Neue, heute noch verwendete Clubausweise werden ein­geführt. Hermann Baur schafft dafür eine neue Form des „STC-Seepferdchens“, das heute noch unser offizielles „Logo“ darstellt. Werbeprospekte werden gedruckt.

Das Antauchen findet ausnahmsweise nicht im Badersee, sondern in der damals neu erschlossenen Thermalquelle von Füssing (heute: „Bad“ Füssing) statt. Ein humorvoll geschriebener Artikel unseres Clubkameraden Franz Gradl erscheint im „Delphin“.

Der STC führt zusammen mit Sport-Scheck einen Filmabend des „Club Mediterranee“ durch (leider verschollen). Über 500! Interessenten stürmen den Saal.

Die Zeitschrift „Hobby“ bringt eine Bildreportage zur Geräteausbildung des STC im Schwimmbad. Das Mitglied Dötterl macht mit seiner frisch Angetrauten eine Hochzeitsreise im Faltboot. In der altbayrischen Heimatpost erscheint ein Bild über den Bayrischen Löwen, evtl. die Idee für den späteren UW-Wettbewerb?

Jahreshauptversammlung des VDST in Krefeld: Der STC schreibt alle angeschlossenen Vereine an und beantragt,

  • den VDST neu zu strukturieren (die Doppelspitze aus Präsident und Geschäftsführer hat wegen nicht klar geregelter Aufgabengebiete und schlechter Kommunikation viel Doppelarbeit, der STC schlägt vor, dass es nur eine Spitze geben solle).
  • ein Deutsches Tauchsportabzeichen nach dem Vorbild der STC-Leistungsabzeichen zu schaffen.

Der STC übernimmt die Ausrichtung der Verbandstagung 1959 in München.

Zum gewohnten Badersee-Termin wird erstmals das „Klaus-Wissel-Gedächtnistauchen“ durchgeführt.

Unsere Mitglieder Manfred Biller und Paul Weltmeier star­ten mit einem Segelboot zu einer selbst finanzierten Expeditionsreise zum Roten Meer.

Christian Rackerseder bringt in einer abenteuerlichen Überführungsfahrt seinen Motorkutter „Polypi“ über den Rhein-Rhone-Kanal ins Mittelmeer, wo er vom Hafen von Marina di Carrara aus Tauch- und Tierfangexpeditionen durchführt. Die dort am Ende eines Tauchganges gefangene „falsche“ Karettschildkröte ist noch 2 Jahrzehnte lang ein Prunkstück des Aquariums im Tierpark Hellabrunn.

Auf der Hauptversammlung tritt Leo Gradl wegen Arbeitsüberlastung vorzeitig als 1. Vorstand zurück. Es erscheint wieder ein Geschäftsbericht.

Der bisherige 2. Vorstand Hermann Baur übernimmt seine Nachfolge. Neuer „Zweiter“ wird Bodo Ciolina.

Die Monatsbeiträge werden erhöht auf:

  • für A-Mitglieder DM 5,00
  • für Jugendliche DM 3,50
  • für Familienangehörige DM 2,00

Der Club hat jetzt 144 Mitglieder, davon 21 Jugendliche.

Die Clubkameraden Aberle und Waldhauser führen einen Farbfilm von Elba und la Spezia vor (leider verschollen), Seitz einen Film vom Klaus-Wissel-Gedächtnistauchen (leider verschollen), Eisenhammer hervorragende Dias.

Im Dezember wird der traditionelle Weihnachtsslalom ausgetragen. Im Deutschen Theater findet die Jahresabschlussfeier mit Tanz, Einlagen und Tombola statt.

1959

Die ersten Monate stehen ganz im Zeichen der Vorbereitung der Bundestagung des VDST, den der STC in München ausrichtet (siehe Einladung, Programm, Bericht 1, Bericht 2).

VDST-Bundestagung in München mit Deutschen Hallenmeisterschaften:

  • Der Präsident Hans Reinerth wird (auf Betreiben des STC) abgewählt,
  • Rainer Schwarz wird VDST-Vizepräsident,
  • Wolfgang Vieweg wird Leiter der Sachabteilung Ausbildung,
  • das vom STC vorgeschlagene DTSA wird beschlossen,
  • nach dem Vorbild der STC-Ausweise wird ein einheitlicher VDST Ausweis für alle Clubs eingeführt.

Bei den Bundesmeisterschaften belegen STC-Mitglieder folgende Plätze:

  • Slalom Herren: Jürgen Bauer 1.Platz, Manfred Bukker 2.Platz, Wolfgang Vieweg 4.Platz
  • Slalom Damen: Gerhild Grimm 1.Platz, Rotraud Saumweber 3.Platz
  • 100 m Flossenschwimmen: Eduard Nußbaumer 4.Platz
  • 50 m Streckentauchen: Wolfgang Vieweg 5. Platz

Der STC organisiert außerdem einen Tauchausflug nach Lerici für die Mitglieder und auch für VDST-Mitglieder der Bundestagung.

Beim Klaus-Wissel-Gedächtnistauchen wird die Gedenktafel eingeweiht und an einem Felsen vor der Insel angebracht. Ein Film von G.F. Peters dokumentiert das Ereignis.


Bei den UW-Jagdweltmeisterschaften in Malta belegen die STC-Mitglieder den 18. Platz.

Der STC hat mit nunmehr 40 Gerätetauchern, das ist ein Viertel der insgesamt 160 Mitglieder, die weitaus größte Gerätetauchgruppe aller deutschen Tauchsportvereine.

Für die Herbstwettkämpfe stiftet der STC erstmals Wanderpokale.

Der STC gewinnt im Bezieherwettbewerb der Zeitschrift „Delphin“ ein komplettes 2 x 7l- Pressluftgerät.

Der Vortrag der Clubkameraden Weltmeier und Biller „Paradies und Hölle“ aus Ägypten im Deutschen Museum lockte 320 Besucher an. Clubkamerad Fischer zeigte Farbfilme von großen Naturereignissen (leider verschollen), Clubkamerad Seitz entwickelt eine preiswerte Taucheruhr. Clubkamerad Weltmaier berichtet von der Internationalen Unterwasserjagdmeisterschaft in Malta. Es mehren sich aber Stimmen, die generell gegen Unterwasserjagd sind, so beispielsweise Rainer Schwarz mit einem Artikel im Delphin. Ebenfalls Weltmaier verfasst einen Artikel über die Gefahren des Tauchens.

Highlight des Jahres sind wieder der Faschingsball mit dem Titel „Vagabunden des Meere“, es erscheint ein Schreiben des SDST und das Protokoll zur Faschingssitzung und die Jahresabschlussfeier. Im September zum Ende des Geschäftsjahrs erscheint wieder ein Jahresbericht.